Alma Mater für angehende Journalisten

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Die Universität Leipzig als Kaderschmiede. Vanessa Wolf

Was Wesen des Gerüchts, die Pyramidenform der Nachricht, das Informationsfreiheitsrecht, empirische und kognitive Darstellungsformen – das alles gehört zum Grundvokabular eines ausgebildeten Journalisten. Prof. Dr. Marcus
Machill referiert darüber jeden Mittwoch ab 13.15 Uhr im Hörsaal 1 des Hauptgebäudes der Universität Leipzig. Rund 30 junge engagierte Studierende versuchen ihm dabei zu folgen. Sie alle lassen sich an der Universität Leipzig zu Journalisten ausbilden. Im Studiengang Journalistik werden sie in den wichtigen Bereichen wie Print, Hörfunk, Fernsehen und Onlinejournalismus auf den Beruf vorbereitet und können sich je nach Interesse spezialisieren.

Einzigartig in ganz Deutschland ist der Aufbau des Master-Studiengangs in Leipzig mit seiner Kombination aus Theorie und Praxis. Erst nach drei Jahren erhalten die Studierenden den Titel Master of Arts. Grund dafür ist das einjährige Volontariat, das an der Uni Leipzig ins Studium integriert ist. In Kooperation mit überregionalen Medien wie dem MDR, der Deutschen Welle oder auch der taz will man dafür sorgen, dass jeder Studierende einen Volontariats-Platz bekommt. Da das Volontariat als Eingangstor in eine journalistische Karriere gilt, profitieren die Studierenden enorm von dieser Regelung.

Die Beliebtheit des Studiengangs schlägt sich alljährlich in den Bewerberzahlen nieder. Längst nicht jeder Bewerber bekommt einen Studienplatz. Zur Aufnahme in das Journalistik-Studium bedarf es erst einmal einer eingehenden Eignungsfeststellung. Die Lehrenden haben sehr konkrete Vorstellungen über die Vorkenntnisse, die jeder Bewerber mitbringen soll. Insbesondere auf praktische Erfahrungen wird Wert gelegt. Die soll der angehende Student aber bitte nicht bei Hochschul- oder Bürgermedien, sondern bei professionellen Medien gesammelt haben. Erst wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, gibt es die Chance bei einem Auswahlgespräch zu brillieren und mit der eigenen Motivation, Informiertheit, Urteilsfähigkeit sowie seinen sozialen Kompetenzen zu überzeugen. Beweist man dabei, dass man schon vieles und vor allem mehr als andere kann, bekommt man einen Studienplatz. Eine nicht ungewöhnliche Praxis, die schon vor der eigentlichen Ausbildung selbstbewusstes Auftreten und hohe Leistungsbereitschaft abverlangt.

Prof. Dr. Marcel Machill, Leiter der Abteilung Journalistik, suggeriert mit seinem Lebenslauf eine nicht enden wollende Leistungsbereitschaft. Die Liste seiner wissenschaftlichen und journalistischen Auszeichnungen und Erfolge ist lang: „Professor Machill hält akademische Grade aus drei Ländern“, heißt es in seinem Internetauftritt – einen davon hat er in Harvard erworben. Er ist vor allem für die Einführungs-Vorlesungen zuständig und scheint großen Wert darauf zu legen, dass auch die Qualität seiner jetzigen Arbeit mit den Studierenden öffentlich einsehbar ist. Ein umfassendes Archiv von Evaluationen seiner Lehrveranstaltungen der letzten zehn Jahre ist online, was durchaus ungewöhnlich ist im Universitätsbetrieb. Die Bewertungen von Studierenden zum Ende des Semesters sollen den Lehrenden nämlich vor allem helfen, ihre Veranstaltungen zu verbessern, auf Wünsche einzugehen und Probleme zu erkennen. Machills Studenten haben ihn fast durchgängig gut bis sehr gut bewertet. Auf die Frage, wie oft sie seine Vorlesung besuchen, wurde in den meisten Fällen „immer“ geantwortet.

In dieser wunderbaren Welt der lückenlosen Erfolge und immerwährender Vorbildlichkeit fällt der Medienrummel um die „Causa Machill“ vor vier Jahren besonders auf. Prof. Machill hatte einen seiner Studenten wegen Urheberrechtsverletzung verklagt. Deutschlandweite Medien wie die Süddeutsche Zeitung oder Spiegel online stürzten sich auf diesen Konflikt. Sie kritisierten
Machill und seine Arbeit als Lehrbeauftragter stark. Es kamen Meinungen auf, die seine Arbeit als niveaulos und seine Person als unmenschlich und unbarmherzig beschrieben. Ein Lauffeuer von Beschwerden, Darstellungen und Gegendarstellungen entstand, das sich nur langsam beruhigte.
Ebenfalls kritisiert wurde der Einsatz von Prof. Wolfgang Kenntemich als Honorarprofessor. Kenntemichs Lebenslauf steht insbesondere Machills wissenschaftlicher Vorzeige-Karriere inklusive Harvard-Abschluss diametral gegenüber. Der fast 70-jährige war Bild-
Büroleiter und MDR-Redakteur. Er hat nicht einmal einen
Hochschulabschluss, dafür aber bei der Entwicklung von Sendungen wie Brisant und MDR-Aktuell mitgewirkt. In Leipzig gibt er nun Seminare zur Entwicklung neuer Sendeformate.

Medialer Konservatismus und bürgerliche
Konventionen statt Innovation

Seine Arbeit scheint jedoch, zumindest was die öffen-tlich zugänglichen Produkte der Studierenden angeht, nicht gefruchtet zu haben. Keine Spur lässt sich von neuen Sendeformaten im studentisch produzierten
Magazin „Vierzehn09“ finden. Die im Internet frei verfügbare Nachrichtensendung der Journalistik-Studierenden strotzt nur so vor medialem Konservatismus und bürgerlichen Konventionen. Im aktuellen Beitrag tritt eine Moderatorin um die 25 Jahre mit sauber zurechtgelegten Haaren und seriösem Blazer auf, um im typischen Nachrichten-Sing-Sang einen Beitrag zum Mindestlohn anzumoderieren. Ein Format, das selbst die Öffentlich-rechtlichen modernisiert und an den Zeitgeist angepasst haben, denkt man etwa an das neue tagesthemen-Studio.

Quereinsteigerberuf „Journalist“

Das Master-Studium Journalistik ist nicht die einzige Möglichkeit, Journalist zu werden. Der „Journalist“ ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung, sondern ein Tätigkeitsberuf. Verschiedene Ausbildungswege können deshalb zum Beruf des Journalisten führen. Doch egal ob die Ausbildung an einer Journalistenschule, Universität oder direkt bei einer Zeitung erfolgt, immer sind die Bewerberzahlen viel höher als die vorhandenen Ausbildungsplätze. Auch wenn sich die Sphäre der Öffentlichkeit über die etablierten Medien hinaus auf soziale Netzwerke und Blogs erweitert hat, werden die Medien auch in Zukunft als Kontrollinstanz an Meinungsbildung und Wissensvermittlung teilhaben. Folglich stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien die Journalisten von morgen ausgewählt werden sollen, was sie können müssen und wer sie ausbildet, damit die Unabhängigkeit der Medien gefördert und vom Recht auf freie Meinungsäußerung auch zukünftig Gebrauch gemacht wird.

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