Leerstellenmartk in Sachsen

Wenn der Nachwuchs ausbleibt. Von Marko Hofmann

Vor neun Jahren gab es noch echtes Gedränge auf dem sächsischen Lehrstellenmarkt. Wohl dem unter den 54.461 Lehrstellensuchenden, der zum 1. August 2005 eine Arbeitsstelle hatte. Denn die waren rar: Nur 16.143 Plätze waren zu haben. Auf jeden Platz kamen also über drei Bewerber. 2014 ist das anders. Da beeinflussen „Megatrends“ wie „der demografische Wandel, der technologische Fortschritt oder die Globalisierung“ den Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt, erläutert Frank Vollgold von der Sächsischen Arbeitsagentur. Da haben die Unternehmen plötzlich das Problem, geeigneten Nachwuchs zu bekommen.

Vor allem die geburtenschwachen Jahrgänge haben für Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt gesorgt. Vielleicht sogar für etwas zu viel Entspannung. Mittlerweile hat sich die Zahl der Suchenden und Bietenden nahezu angeglichen, wie Vollgold berichtet. „Von Oktober 2013 bis Juni 2014 haben insgesamt 19.488 Mädchen und Jungen mit Hilfe der Berufsberatung einen Ausbildungsplatz gesucht. Das sind 1.244 mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig ist auch die Zahl der bis Juni gemeldeten Berufsausbildungsstellen gestiegen. Bis Juni wurden den Arbeitsagenturen und gemeinsamen Einrichtungen insgesamt 17.500 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet, 245 mehr als im Vorjahreszeitraum.“ Vollgold rechnet damit, dass die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt anhält. Bewerber können, noch anders als vor zehn oder 15 Jahren, als die letzten geburtenstarken Jahrgänge auf eine unsortierte Nachwendewirtschaft trafen und jede Lehrstelle das große Los war, teilweise aus mehreren Stellen auswählen.

In ganz Sachsen waren im Juni noch über 8.412 Lehrstellen unbesetzt – und gleichzeitig 8.086 Bewerber ohne Vertrag. Was zunächst kurios klingt, ist ganz einfach durch die Popularität der einzelnen Berufe und auch regionale Unterschiede zu erklären. „Zum Beispiel wollen aktuell 942 junge Menschen „Verkäufer“ erlernen, tatsächlich gibt es nur noch 282 freie Ausbildungsstellen für diesen Beruf. Hier sollte der Jugendliche sich breiter aufstellen, um erfolgreich zu sein“, erklärt Vollgold – und eben auch mal überlegen, ob er nicht in der Fleischerei oder in der Kältetechnik arbeiten will. „Allein in dreißig Ausbildungsberufen stehen einem Bewerber immer noch mehr als fünf freie Ausbildungsstellen gegenüber, darunter der Elektroniker, Fleischer, Bäcker, Anlagenmechaniker und Werkzeugmacher. Aber auch für Büroberufe gibt es aktuell ein größeres Ausbildungsangebot. So zum Beispiel für den Kaufmann im Großhandel oder zum Versicherungskaufmann“, so Vollgold.

In Leipzig werden vor allem noch Lehrlinge zu Kaufmann/-frau im Einzelhandel, zu Friseur/in, zu Kaufmann/-frau für Dialogmarketing und auch zu Koch/Köchin gesucht. Kaufmänner und -frauen für Dialogmarketing arbeiten übrigens für gewöhnlich im Call-Center und sollen im direkten Kontakt mit Kunden stehen. Gerade die Anzahl dieser Unternehmen stieg in den letzten Jahren stark an. In der Messestadt sind übrigens noch 1.164 Stellen unbesetzt.

In Leipzig wollen Jugendliche vor allem Verkäufer/in, Kaufmann/-frau für Einzelhandel oder Fachlagerist/-in werden. Der gute alte KFZ-Mechatroniker und der Bürokaufmann/-frau erfreuen sich ebenfalls ungebrochener Beliebtheit. 1.227 Leipziger Bewerber hatten im Juni noch keinen Ausbildungsvertrag.

Den schwarzen Peter auf dem Lehrstellenmarkt haben aber seit ein paar Jahren die Unternehmen. „Bereits heute fällt es Unternehmen in den verschiedenen Branchen zunehmend schwerer, geeigneten Nachwuchs zu finden. Künftig wird sich die Situation noch verschärfen! Es gibt nur noch halb so viele Bewerber wie im Jahr 2005 und dennoch sollen kluge Personalentscheidungen getroffen und gute Nachwuchskräfte für das Unternehmen gewonnen werden. Damit müssen bereits heute viele Arbeitgeber für sich werben, um Nachwuchskräfte zu erhalten. Die Arbeitgeber, die ihre Nachwuchssuche kreativ gestalten, für sich werben und auch Leistungsschwächeren eine Chance geben, haben vielfach Erfolg bei der Suche ihrer Lehrlinge!“

Sollte es dabei bleiben, dass mehr offene Stellen als unversorgte Bewerber übrig bleiben, läge Sachsen voll im Bundestrend. 2013 waren auf Bundesebene zum sechsten Mal in Folge mehr Stellen unbesetzt als Bewerber unversorgt. Damals hieß es seitens der Bundesagentur: „Diese Entwicklung beruht vor allem auf regionalen, berufsfachlichen und qualifikatorischen Diskrepanzen am Ausbildungsstellenmarkt." Heißt auf gut deutsch: Regional kommen Stellen- und Bewerberanzahl entweder nicht zueinander und/oder die Bewerber erfüllen nicht die Anforderungen der Ausbildungsbetriebe, beziehungsweise es gibt für manche Bewerber keinen Ausbildungsberuf, der ihren Qualifikationen entspricht. Und das eröffnet wieder die Frage, wer dafür zuständig ist, Bewerbern bestimmte Qualifikationen mitzugeben. Aber das ist bekanntermaßen ein weites Feld…...
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