Brauchen wir das wirklich?

Bild: Ildiko Sebestyen Photographie

Zur stetigen Zunahme der Hotels in Leipzig.
Von Christin Pomplitz

Nach Angaben der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH lag Leipzig im Jahr 2013 mit 8,7 Prozent Wachstum der Übernachtungszahlen im Vergleich zu 2012 auf Platz zwei nach Hamburg. Im Vergleich der Jahre 2008 bis 2013 ergab sich ein Zuwachs von 45,6 Prozent, was bundesweit den dritten Platz nach Berlin und Hamburg ergibt. Auch im nationalen und internationalen Vergleich der Zimmerauslastung des ersten Halbjahres 2013, landet Leipzig mit 70,8 Prozent auf dem vierten Platz nach London (83,3 Prozent), München (76 Prozent) und Berlin (72,3 Prozent).

Weiter verrät die Präsentation der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, dass bis 2015 mindestens fünf neue Hotels im Innenstadtbereich eröffnet werden sollen. Die Zahlen zeigen einen deutlichen Zulauf an Touristen und großes, sogar weltweites Interesse an der Stadt. Aber brauchen wir wirklich diese Menge an Hotels? Wollen wir überhaupt einen so großen Zulauf? Oder wollen wir nicht lieber ein Geheimtipp bleiben?

Seit geraumer Zeit sprechen sich viele Menschen, besonders gebürtige Leipziger und langjährig in Leipzig Wohnhafte , gegen Hypezig aus. Die Angst vor der großen Flut an Menschen und deren Folgen wächst, und wird durch die Vielzahl neuer Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen nicht gelindert. Aber es ist nicht von der Hand zu weisen: Leipzig ist beliebt und steht in der Blüte seiner touristischen Entwicklung.
Eine positive Entwicklung der Stadt, im Laufe der letzten fünf Jahre, verzeichnet auch die Hotelgruppe Steigenberger.

Zwar möchten Hotels im unmittelbaren Innenstadtzentrum, wie das Steigenberger, ihre genauen Übernachtungszahlen nicht preisgeben, aber dass in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme zu spüren ist, gibt auch Herr Träger, Pressesprecher der Steigenberger Hotel Group, zu. Die Zahlen seien für 2013 sehr erfreulich, hieß es im Gespräch. „Die höchsten Übernachtungszahlen ergeben sich zu Messezeiten, und unter der Woche sind die Zahlen durchschnittlich höher als am Wochenende“, ergänzt Träger. Ähnliches berichtet auch Veronica Kandt, die im September 2013 ihr Gasthouse im Leipziger Westen eröffnete. „Am höchsten ist die Auslastung bisher definitiv bei großen Veranstaltungen in der Umgebung, wie zum Beispiel bei Spinnereirundgängen oder beim WGT.“
Nach Einschätzung des Hauses Steigenberger hat der Bau neuer Hotels keine hohe Priorität, die Kapazitäten seien ausreichend. Warum also weiterbauen?

Die Erhebungen des Statistischen Landesamtes Freistaat Sachsens von Februar 2014 ergaben eine Bettenauslastung in der ersten Hälfte des Jahres 2013 von 70,8 Prozent. Die Bettenauslastung für das gesamte Jahr aber lag nur bei gerade mal 50,7 Prozent, was nicht begründet, weshalb weitere Hotel notwendig sein sollten und warum es nicht sinnvoller wäre, alte Anlagen zu sanieren, statt den Neubau zu forcieren.

Zu dieser Frage äußert sich die Stadt Leipzig wie folgt: Investoren, die Hotels bauen wollen, geben in aller Regel vorher Studien in Auftrag, die die Marktchancen speziell ihres Vorhabens für einen konkreten Standort einschätzen sollen, und entscheiden dann entsprechend. Bei der Beurteilung von Bauvoranfragen und Bauanträgen, sei die Stadt Leipzig in jedem Fall an Recht und Gesetz gebunden und entscheide nicht über Notwendigkeiten von Hotelvorhaben. Dem Eigentümer obliege der Umgang mit seinem privaten Eigentum. Allenfalls könnte die Stadt ein allgemeines Bau-, Modernisierungs- und Instandsetzungsgebot erwägen. Derartige Gebote wurden in Deutschland bislang aber so gut wie nie ausgesprochen. Letztlich kann keinem Eigentümer vorgeschrieben werden, welche Nutzung seines Eigentums - ob als Hotel oder nicht - stattfinden sollte.

Der Architekt und Projektleiter Peter Nägele spricht sich über Neubau und Sanierung von Hotels in Leipzig deutlich aus: „Auf jeden Fall wäre es sinnvoll alte Anlagen zu sanieren, aber natürlich steht die Wirtschaftlichkeit für einen Investor im Vordergrund. Auch sind die Ansprüche in der heutigen Zeit an einen größeren Hotelbau gestiegen. Parkplätze sind zum Beispiel in Form einer Tiefgarage im Innenstadtbereich ein Punkt, der bei alten Gebäuden meist nur schwer zu realisieren ist, aber grundsätzlich ist die Reaktivierung bestehender Gebäude zu bevorzugen.“

Die Eigentümer des Guesthouse Kandt’s in der Naumburger Straße 39 bauen auf individuelles und familiäres Ambiente, das einer Privatwohnung gleichkommt, und sehen auch durchaus den Reiz schöner alter Industriegebäude und leer stehender Jahrhundertwende-Häuser als individuelle Übernachtungsangebote. „Neue Bauobjekte nehmen nun mal einfach den Charme aus sämtlichen Stadtteilen“, ist Kandt überzeugt. „Gerne würden wir uns mit Menschen zusammentun, die in irgendeiner Weise auch etwas Schönes als Ausgleich zum Alltag anbieten, um nicht allein auf weiter Flur ein Projekt dieser Art stemmen zu müssen.“ Vielleicht sollte die Zukunft der Hotellandschaft ähnlich der Wünsche der Guesthouse- Besitzer aussehen.
...
TERMINE Weltnest

OFFICE

3VIERTEL
Merseburger Straße 33
04177 Leipzig

KONTAKT

Tel.: 0341 . 33 11 774
E-Mail: info@3viertel.info

FOLGE UNS

fb twitter
Startseite . Kontakt . Impressum . Nutzungsbedingungen & Datenschutz