Barfuß mit Freunden unter Weiden

Bild: Christina Hirschberg

Das etwas andere Feiern unter freiem Himmel.
Von Christin Pomplitz

Festivals bedeuten für Festivalbesucher Freiheit und Grenzenlosigkeit. Den ganzen Tag Musik unter freiem Himmel, Schlafen im Zelt, tausende Menschen um sich herum. Den meisten sind Festivals wie Rock am Ring, Melt! oder Splash bekannt. Aber neben diesen großen Festivals existieren auch kleinere. So auch Acient Trance und Auerworld.

Drei Tage die Realität verlassen und eintauchen in einen Zustand der Trance - das ist es, was fasziniert. Bei dem Festival Acient Trance ist das wortwörtlich der Fall. Die beiden Leipziger, Clemens Viogt und Sven Otto, haben aus ihrer gemeinsamen Begeisterung für das Instrument der Maultrommel Ancient Trance ins Leben gerufen. Seit 2007 organisiert der gemeinnützige Verein Maultrommel e. V. das mittlerweile 3000 Gäste umfassende Open-Air-Festival in Taucha. Durch das Team von 30 ehrenamtlichen OrganisatorInnen und HelferInnen entsteht auch in diesem Jahr wieder eine Welt ganz im Sinne der Trance.

Die kleine Indoorveranstaltung von 2007 hat sich mit den Jahren zu einem ausgewachsenen Festival mit einer Vielzahl von Workshop Angeboten entwickelt. Zudem gibt es seit Februar 2014 auch eine bezahlte Bürostelle von 15 Wochenstunden, um die ehrenamtliche Arbeit zu entlasten. Aufgrund dieser positiven Entwicklungen beschlossen die Organisatoren, die eigene Werbung im Vorfeld zu reduzieren: „In diesem Jahr machen wir zum ersten Mal weniger Werbung auf anderen Festivals und haben auch weniger Flyer und Plakate gedruckt, da wir hoffen, mittlerweile genügend bekannt zu sein und hier Ressourcen zu schonen“, konstatiert die Mitwirkende Magdalena Schlenker.

Ein ganz ähnliches Konzept findet sich beim Auerworld Festival, das auf einem Feld bei Auerstedt (Thüringen) stattfindet. Ein von Hand erschaffener Weidenrutenpalast ist Markenzeichen und Herzstück des Festivals. Wie beim Ancient Trance kümmert sich ein Verein mit vielen Freiwilligen darum, dass das Auerworld Festival im Auerworldpalast jedes Jahr ein Ereignis der anderen Art wird. Die Organisation läuft hier aber hauptsächlich via Internet, denn die HelferInnen und OrganisatorInnen leben in verschiedenen Städten in ganz Deutschland verteilt. Ein wöchentliches Treffen, wie es der Maultrommel e. V. im Sommer schafft, ist beim Auerworld Festival e. V. nicht denkbar. Die letzte Entscheidungsmacht haben beim Auerworld der Vorstand und dessen Hauptvorsitz. „Und doch arbeiten alle selbstständig und in Absprache untereinander. Es gibt da keine großen Hierarchien wie in Konzernen, die auf Geldmache gepolt sind“, macht Tina Pelzl, Vereinsmitglied und zuständig für Öffentlichkeit und Presse, deutlich.

Was jedes Festival aber erst zum Leben erwecken kann, ist die Finanzierung. Wie werden Festivals wie Auerworld und Ancient Trance finanziell auf die Beine gestellt, ohne Marken wie Red Bull im Rücken?
Das Schlüsselwort lautet hier mittlerweile Crowdfounding. Das Thüringer Festival Auerworld finanziert sich bereits das zweite Jahr ausschließlich über Crowdfounding. Die Jahre zuvor wurde das Festival über Projektanträge finanziert. Erfreulicher Weise ist aber der Zulauf so groß geworden, dass die Kapazitäten des bis dahin kostenlosen Festivals überstiegen wurden. „Um die Menschenzahl zu beschränken, damit die Natur nicht zu Schaden kommt und um einfach mehr Sicherheit zu haben, dass wir ein Festival finanziert bekommen, haben wir uns im letzten Jahr zum ersten Mal für Crowdfounding entschieden“, berichtet Pelzl.

Beim Ancient Trance sind die Hauptunterstützer die Stadt und der Schlossverein Taucha. „Die Kooperation mit der Stadt Taucha läuft erfreulich aufgeschlossen und unterstützend für uns. Auch der Landkreis Nordsachsen und zum Teil die Sparkassenstiftung fördert uns nach ihren Möglichkeiten. Wir finanzieren uns also in erster Linie durch das äußerst umfangreiche Ehrenamt und natürlich durch die Eintrittsgelder und Bareinnahmen“, erklärt Schlenker.

„Wir glauben, dass es sich herumgesprochen hat, dass man beim Ancient Trance Festival auch mal Ruhe hat und trotzdem was erleben kann. Die Menschen kommen von fern und nah, zum Beispiel weil sie hier mit ihren Kindern barfuß zusammen feiern können“, ist Magdalene überzeugt. Das ist es wohl, was beide Festivals zu einer Art Geheimtipp besonders für Familien macht. Der Zwang und Druck, alkoholisiert drei Tage durchzufeiern, bleibt anderen Veranstaltungen überlassen. Stattdessen gibt es ein umfangreiches Angebot, dass über Musik hinausgeht. Neben Musikbeiträgen zwischen meditativen Klängen und Ekstase auf mittlerweile vier Bühnen bietet das Ancient Trance Workshops für Instrumente, Körper, Geist und Seele, Kunst- und Handwerksmärkte, einen Massage- und Heilungs-Space, einen Platz der Spielelust für Kinder und Eltern sowie Spa-Bereiche, Gauklerei, Jonglage und Feuershows. Welches andere Festival kann das bieten? Rock am Ring wohl nicht.

Zwar fährt das Auerworld nicht mit einem solchen meditativ ausgerichtet Angebot auf, steht dem Ancient Trance aber in nichts nach. „Wir laden unsere Gäste jedes Jahr ein, mit uns Ende April am Weidenpalast zu arbeiten und dadurch in direkten Kontakt mit uns zu kommen. So kommen sie immer wieder und bleiben - und das aus ganz Deutschland: Jung und Alt mit Kind und Kegel, Hund und Bus, Zelt und Freunden. Gemeinsam verbringen wir ein Wochenende mit Freunden unter Weiden“, schwärmt Pelzl abschließend.
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