Kulturpolitik gegen Verwaltung

Bild: Ildiko Sebestyen Photographie

Das Theater um das Theaterzentrum. Von Oscar Adlerhut

Dass ein Theaterzentrum für die Leipziger Weststadt geplant war, in dem LOFFT, das Leipziger Tanztheater, der Westflügel und Schaubünhe Lindenfels, kurz die Freie Szene einen Ort des Schaffens bekommen können, ist seit einigen Jahren bekannt gewesen.
Doch nun lässt das Kulturdezernat nach Jahren des Aufschubs verlautbaren: „Die Kostenschätzungen zur Realisierung und Betreibung eines freien Theaterhauses an einem dieser Standorte zeigten, dass sich das Vorhaben bei Berücksichtigung der aktuellen Haushaltssituation der Stadt und der unerlässlichen Prioritätensetzung für bauliche Investitionen in Schulen und Kindertagesstätten gegenwärtig nicht in den städtischen Haushalt einordnen lässt.“
Nun pürfe man gemeinsam mit den von der Stadt institutionell geförderten Betreibern der vier Theaterhäuser jeweils eigene Alternativen der Verbesserung der räumlichen Situation. 
Die Schaubühne Lindenfels wird an ihrem Standort weiter saniert. 
Mit dem LOFFT und dem Leipziger Tanztheater werde Kulturbürgermeister Michael Faber gemeinsam Wege suchen.

Bis nun klar wurde, dass die Gelder der Kulturetats nicht ausreichen würden, ergingen zwei Stadtratsbeschlüsse (Juni und Oktober 2013), die ein Theaterzentrum in Aussicht stellen. „Seit fast einem Jahr war die Verwaltung aufgefordert, ein
finanziell untersetztes Konzept für einen geeigneten Standort vorzulegen. Liegt dem Stadtrat das vor, kann er sagen, ob er das konkrete Projekt so möchte oder nicht. Ich hoffe, dass wir eine solche Entscheidungsgrundlage
noch vor dem Sommer erhalten,“ erklärt Skadi Jennicke(Kulturpolitische Sprecherin DIE LINKE)im April gegenüber der 3VIERTEL. Jedoch mangele es an einem finanziellen tragbaren Konzept. Für die Unterbringung des Hauses standen vier Objekte zur Diskussion: das Westwerk, der Felsenkeller, die Spinnerei und der Josephkonsum in Verbindung mit der Schaubühne.

Dass das TdjW in der Theater-WG mit dem LOFFT allmählich an seine Grenzen stößt ist schon länger bekannt. Zwar arbeite das TdjW effizient aber auch an den Grenzen der Ausbeutung und die Angst dass die Darsteller die Flucht ergreifen, sei keine unbegründete, so Zielinski in einem Bürgerforum am 7. April im TdjW. Das LOFFT brauche, so der Intendant, eine eigene Spielstätte und das TdjW Entlastung. Zudem läuft der Mietvertrag mit dem LOFFT zum 31.12.2014 aus. Bei den aktuellen Verhandlungen zur Verlängerung des Mietvertrages soll es nun Einschränkungen für das LOFFT geben. Der Mietvertrag soll statt zwei Jahre nur noch auf ein Jahr befristet werden.

Dadurch werden langfristige Planungen und Engagements unmöglich gemacht. Dieses Vorgehen hatte von Seiten des TdjW allerdings eine klare Intention, die sich gegen die passive Haltung des Kulturbürgermeisters Michael Faber zu wenden schien. Dieser hatte die zwei Häuser zur Einigung verdammt, sich selber aber aus der Problemlage zurückgezogen. Auch die Forderung nach einem unbefristeten Mietvertrag stand im Raum. Allerdings hätte ein solcher die Forderung nach einem Theaterzentrum torpedieren, eine Realisierung gar unnötig erscheinen lassen. Mit diesem Vorgehen wollte man Druck aufbauen und hoffte, dass von Seiten der Politik mehr Initiative ergriffen wird, das Theaterzentrum zu realisieren. Doch die jetzigen Ergebnisse zeigen ein gänzlich anderes Ergebnis.
Nun scheitert das Projekt an der fehlenden Finanzierbarkeit. Und das, obwohl nur 20 – 30 Prozent des Investitonsaufkommens von der Stadt getragen werden müsste. Der Rest würde durch EU-Mittel und Investoren gedeckt, so Förster.

Sebastian Weber (Vorstand LOFFT) kritisierte schon im Bürgerforum das ewige Beschließen ohne die Beschlüsse dann umzusetzen. Der Unmut der darstellenden Kunst wachse durch das zermürbenden Durcheinander von Politik und Verwaltung und die darstellende Kunst der Freien Szene habe nicht die eigentlich notwendigen freien Entfaltungsmöglichkeiten.
Kritik am Vorgehen der Kulturpolitik kam schon vor Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse von den Bündnis 90/ Grünen. Kornelius Unckell, kulturpolitischer Sprecher des Leipziger Stadtverbandes der Grünen, vermisst einen klaren politischen Willen zur Realisierung des Zentrums. „Herr Faber verkündet in Interviews, dass die Mietvertragsfrage schon gelöst sei, was offensichtlich nicht stimmt. Gleichzeitig zweifelt er öffentlich daran, ob das freie Theaterzentrum im Westen überhaupt finanzierbar ist,“ hieß es in einem Positionspapier der Grünen vom 20. Mai.

Für Unckell zeigt sich an diesem Beispiel, dass es ein Führungsproblem in der Leipziger Kulturpolitik gibt. TdjW und das LOFFT werden mit ihren Problemen allein gelassen, ohne mit klaren Perspektiven planen zu können.
Jürgen Kasek, Vorstandssprecher der Grünen, kritisiert vor diesem Hintergrund, das Vorsichherschieben der offen Kulturfragen, die konstant nicht beantwortet werden. Der Kulturbereich sei ein zentraler Punkt der Politik, für den auch politische Weichen gestellt werden müssen. „Wir erwarten von Herrn Faber und der Linken ein klares Bekenntnis und volle Tatkraft für die Freie Theaterszene und das Theaterzentrum West,“ so Kasek. Bis das Theaterzentrum, wo auch immer, entstehen wird, braucht das LOFFT „faire und nachhaltige Arbeitsbedingungen“. Um diese Bedingungen müsse sich Faber selbst kümmern und dürfe die Verantwortung dafür nicht den Häusern überlassen.
Auch aus dem Stadtplanungsamt hört man vor einiger Zeit Töne, die die Sinnhaftigkeit einer zentralen Unterbringung in Frage zu stellen schienen. Ein Schelm wer vermutet, dass in diesem Falle Verwaltung und Politik auf dem Rücken der Freien Szene ihre Privatfehde ausfechten.
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