Vom Off-Space zum Wanderzirkus?


Verdrängung und Vermehrung nicht-kommerzieller Kunsträume in Leipzig. Von Christin Pomplitz

Seit fünf Jahren existiert das Kunstraumatelier Globusfabrik in der Raimundstraße 12 im Leipziger Westen. Die Künstler Alexander Lang und Stephan Kopiczinski kennen sich seit vielen Jahren, teilen eine gemeinsame Abitur- und Studienzeit und stolperten einst zufällig in die alte, zweigeschossige Globenfabrik im Hinterhof der Raimundstraße 12. Sie blieben und erschufen sich ihr eigenes Künstlerparadies. Wie lange sie noch bleiben dürfen, wissen sie nicht, denn seit fast zwei Jahren erwarten sie ihren Rauswurf. Wie so viele Gebäude im Leipziger Westen, wurden auch die umliegenden Häuser der Globusfabrik an einen neuen Eigentümer verkauft, der, wie ebenso viele schlaue Finanziers, schöne neue Luxuswohnungen bauen möchte. Nur das Hinterhaus konnte der bisherigen Eigentümerin nicht abgewonnen werden. Aber selbst wenn das Gebäude nicht verkauft wird, bleibt noch die Frage des Wegerechts, denn der Zugang zum Hintergebäude führt ausschließlich über das Grundstück der Vorderhäuser.

Anders haben es die drei Künstlerinnen vom ALABAMA, SIR getroffen. Der Kunstraum ist direkt am Bahnhof Plagwitz zu finden, zwar unauffällig und deutlich kleiner als das große Atelier der Globusfabrik, jedoch in greifbarer Nähe zum Gelände der Spinnerei. Es gibt den Kunstraum ALABAMA, SIR erst seit zweieinhalb Jahren, was in der Kunstszene nicht viel Zeit ist, aber Veränderungen bemerken die Betreiberinnen trotzdem.
„Einige Räume konnten sich wegen teurer werdenden Mieten nicht halten, andere sind aus anderen Gründen geschlossen oder umgewandelt worden; sei es, weil sie nur für fünf Jahre geplant waren, oder wegen einer neuen beruflichen Orientierung der Betreiber verschwanden. Gleichzeitig sind neue Räume hinzugekommen. Eine solche Fluktuation ist unter Kunsträumen relativ häufig. Da es sich nicht um kommerzielle Galerien handelt und die Räume meist von Künstlern betrieben werden, sind sie oft nur für einen bestimmten Zeitraum angedacht. Es ist sicher schwieriger geworden, bezahlbaren Raum zu finden, aber noch nicht unmöglich.“ sind sich die Betreiberinnen Zora Berweger, Rebekka Gnädinger und Karen Oostenbrink einig.

Auf der entgegengesetzten Seite der Stadt sieht die Lage zwar noch etwas anders, aber doch langsam ähnlich aus. Der Kunstraum E in der Eisenbahnstraße 109 agiert seit zwei Jahren und kann in seiner Jungfräulichkeit noch nicht viele Veränderungen in der Kunstraumszene dokumentieren. Aber auch im Osten mehrt sich die Zahl der Investoren. „Noch ist die Situation im Osten von Leipzig entspannt. Zwar sind die meisten Räume an Investoren verkauft aber Zwischennutzungsverträge sind möglich.“, so die Betreiber des Kunstraum E.

Trotz Bedrohung der freien und bezahlbaren Räume scheint die Zahl der Off-Spaces nicht gravierend abzunehmen. „Die Zahl der Kunsträume bleibt gleich hoch. Jedoch ist es schade, wenn langjährige und qualitativ gute Räume schließen. Die Zahl allein macht noch keine Qualität.“ findet Karen Oostenbrink vom ALABAMA, SIR.
Alexander Lang von der Globusfabrik beobachtete, dass mindestens seit der Neuen Leipziger Schule die Kunstszene der Stadt enorm angewachsen ist: „In Leipzig gibt es schon fast ein Überangebot an ‚Kunst‘, da steht eine sehr große ‚Szene’ dahinter.“ Die Szene ist im Netzwerk unabhängiger Kunsträume organisiert. Rund 30 Kunsträume umfasst das Netzwerk, darunter auch die Globusfabrik, das ALAMABA, SIR, der Kunstraum D21, die Praline und viele weitere.
Aber auch Verluste sind zu verzeichnen. Kunsträume wie der Kuhturm, AundV oder die Kassette haben ihre Türen geschlossen. Noch gehört die Globusfabrik nicht zu ihnen. Wie lange es noch bis zum Auszug dauern wird und was dann passieren soll, ist unklar. „Wenn das hier weg ist, weiß ich nicht, wo wir hin sollten. So was, wie hier, werden wir nicht wieder finden. Vielleicht machen wir dann als eine Art Wanderzirkus weiter, nur eben mit unserer Kunst.“ spaßt Lang. Der darunterliegende Unmut über den drohenden Verlust bleibt aber nicht verborgen.

Drei Kunsträume - drei Positionen. Während sich die Globusfabrik ihr Ende in der Raimundstraße bewusst macht, steckt der Kunstraum E im Osten Leipzigs fast noch in den Kinderschuhen, voller Erwartung für die Zukunft. Und die Künstlerinnen vom ALABAMA, SIR fiebern dem entgegen, was da noch alles kommen mag. „Es braucht Zeit, sich als Raum zu etablieren, will man keine Eintagsfliege sein. ALABAMA, SIR besteht erst seit etwas mehr als zwei Jahren - wir sind also Teil der Veränderung,“
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