Clown Pipa

Bild: Cesare Stercken

Das Alter Ego der Karin Wimmer.

Von Cesare Stercken

Pipa arbeitete und studierte mit Hans Galli dem Clown, Jango Edwards und Ella Jaruselski und vielen anderen Clownerie und Pantomime. Als Clown zog sie aus und arbeitete bei verschiedenen Zirkussen bis sie in Iralnd half den Galway Circus, den ersten Jugendzirkus, mit aufzubauen und finanziell auf sichere Beine zu stellen. 2000 tourte sie mit ihrer Show „Piperella und die verlorenen Farben“ mit dem sie Recycling thematisiert und eine Umweltbildung betreibt.

3VIERTEL: Was macht Zirkus?

Pipa: Zirkus macht glücklich.

3VIERTEL: Macht Zirkus glücklich?

Pipa: Zirkus hat das Ziel Menschen glücklich zu machen. Der Zirkus bietet einen Raum für Faszination und Staunen. Er ist Ort des Spiels und der Unterhaltung.

3VIERTEL: Du hast lange in Irland gelebt. Was hast Du dort gemacht?

Pipa: In Irland habe ich sieben Jahre für den Galway Circus, den ersten Jugendzirkus der Republik, gearbeitet. Dort habe ich Organisiert und finanzielle Mittel aufgetrieben. Das lief auch alles sehr gut. Wir sind in Europa getourt, haben große Produktionen in Kooperation mit andren Zirkussen umgesetzt und einen großartigen Erfolg gehabt. Dabei ging es darum, dass Kinder verschiedener Verhältnisse und Hintergründe zusammenkommen. Denn die Grenze zwischen Nord und Süd ist nicht die einzige Grenze in Irland. Es ist noch die Grenze zwischen Ost und West, die verläuft zwischen dem Protestantismus und dem Katholizismus.

3VIERTEL: Was ist das Besondere an den Menschen an der Westküste Irland?

Pipa: In den 20 Jahre die ich an Irlands Westküste gelebt habe, habe ich erfahren, dass die Menschen nicht auf dein Äußerstes schauen, sondern sehr darauf achten was du sagst, wie du es sagst und wer du bist. Das ist eine sehr angenehme Atmosphäre.

3VIERTEL: Was hat sich in Irland verändert und dich nach Deutschland zurückgespült?

Pipa: Ich habe die Zeit des keltischen Tigers (Anm. d. R. Wirtschaftlicher Aufschwung in Irland) und die extreme Veränderung Irlands miterlebt. Und ich denke tatsächlich, dass das Geld welches in großer Menge plötzliche da war dafür der Auslöser war. Als ich 1995 dort ankam, hat Geld weit weniger eine Rolle gespielt. Die meisten Menschen hatten wenig Geld. Mit dem keltischen Tiger haben sich die Menschen verändert. Das Geld machte die Menschen auch immer gieriger. Und 2008 platze mit der Rezession die Seifenblase und nun kämpfen alle gegen alle.

2008 haben wir mit dem Galway Circus einen Jugendaustausch mit Nordirland organisiert. Zwei Monate danach wurden mir alle Reifen zerstochen und zwei Kreuze ins Auto geritzt. Die Polizei meinte darauf, dass das wohl gegen mich persönlich ginge, denn in der gesamten Gegend gab es in dieser Zeit sonst keinen Vandalismus. Wir haben das zunächst werbetechnisch genutzt und tatsächlich auch zwei Monate später die Gemeinnützigkeit anerkannt bekommen um die ich zuvor sieben Jahre gekämpft hatte.

3VIERTEL: Weißt du wer dahinter steckte?

Pipa: Ich hab die Täter selbst gefunden. Aber vom Gericht wurden sie nur zu einer Geldstrafe herangezogen. Grund war schlicht Trunkenheit, was als „Entschuldigung“ gilt.

3VIERTEL: Wie war die Ankunft in Deutschland?

Pipa: Sieben Tage nach meiner Ankunft erreichte mich die Nachricht, dass der Zirkus abgebrannt ist. Obwohl ich damit eigentlich nichts mehr zu tun haben wollte bin ich natürlich zurück und habe mich mit dem Ascheberg konfrontiert und wieder alles mit aufgebaut.

3VIERTEL: Wie lange machst du jetzt schon Zirkus?

Pipa: Mit 15 habe ich einen Zirkusclown gesehen gehabt und habe als erstes meinem Vater gesagt, dass ich Zirkusclown werde. Das fand der nicht so gut.

3VIERTEL: Wo bist du aufgewachsen?

Pipa: In einem oberbayrischen katholischen Bergdorf. Aber ich komme aus einer gemischten Ehe, meine Mutter kam nach dem Krieg aus Leipzig in das oberbayrische Dorf und hat sich den katholischen Gigolo gesucht. Ich bin ein „interdeutscher Bastard“, halb West, halb Ost, halb protestantisch, halb katholisch, inzwischen eigentlich gar nichts mehr davon.

3VIERTEL: Wie hat das angefangen, mit dem Zirkus? Was war dein erstes Engagement.

Pipa: Zunächst habe ich mich im Jugendtheater engagiert, dann habe ich mit Jonglieren angefangen, denn das muss man als Clown können. Zu dieser Zeit lebte ich in München. Daraufhin haben meine Eltern alle Geschütze aufgefahren, damit ich eine ordentliche Ausbildung mache und haben mich in sämtlichen Schulen angemeldet. Dann bin ich nach Berlin gegangen und habe eine bürgerliche Ausbildung zur Ergotherapeutin gemacht und auch abgeschlossen. Aber die Liebe zum Zirkus ist mir immer geblieben. Mit Hugh Burton, der später künstlerischer Leiter der Etage Berlin wurde, habe ich dann in Berlin die Gruppe Comedia gegründet, mit der wir zirkusorientiertes Theater im Stil der Commedia dell’arte gemacht haben.

Nach Abschluss meiner Ausbildung habe ich meinen Eltern die Bedingung gestellt eine anständige Schule für Theater in Amerika machen zu dürfen. Auch wieder im Bereich der Comedia dell’arte, was sehr viel mit Zirkus zu tun hat. Und bin dann als Volunteer in der San Fransisco Mindgroup, einer politischen Theatergruppe gearbeitet. Ich kann auch die Politik nicht aus meiner Kunst raus halten.
Diese Gruppe hat zum Beispiel Steel Town aufgeführt, was über die Stahlarbeiter in Pennsylvenia geht, die aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen eine Lebenserwartung von 45 Jahren haben. Das haben wir dort auf die Bühne gebracht, man lacht darüber, aber das Lachen bleibt einem auch an gewissen Stellen im Hals stecken. Diese Informationen werden in Amerika auch über die Medien schlichtweg verschwiegen.

Danach war ich beim Cirque Du Soleil, was mich auch sehr fasziniert hat. Allerdings hatte ich dann keine Aufenthaltserlaubnis für die USA und bin nach Deutschland zurück, habe hier nochmal als Ergotherapeutin gearbeitet und dann nach Irland um wieder Zirkus zu machen. Aus Irland bringe ich heute den Mut zur Phantasie mit, aber es ist auch wie eine Reise in die Zukunft nach Deutschland zu kommen.
In Leipzig habe ich als erstes Jim Whiting getroffen. Jim hat mir dann sein Bimbotwon als Kindergeburtstagsstätte gezeigt und ich habe als Clown die Kinder durch das Bimbotown geführt. Jim hatte auch meine Aktion der fliegenden Schmetterlinge auf dem Westpaket im März geshen und meinte, dass sei genau das Richtige für Leipzig. Hier hat man den Eindruck Alles müsse so seriös sein, bloß nicht blöd aussehen dabei.

3VIERTEL: Wie sah diese Aktion der fliegenden Schmetterlinge aus?

Pipa: In München entstanden für die Dekoration des Olympiazentrums, die ich leiten durfte, 24 große Schmetterlinge. Davon habe ich 16 mit nach Leipzig gebracht, die wollte ich unbedingt fliegen lassen. Und beim Westpaket durften sie dann zum ersten Mal fliegen. Die Idee ist, damit irgendwann einen großen Schmetterlingstanz zu organisieren.

3VIERTEL: Wie sehen Sie Leipzig?

Pipa: Hier in Leipzig gibt es einfach ganz viel Energie und Kreativität und das schlimmste ist, wenn kreative Menschen nicht die Chance bekommen, ihre Kreativität auszuleben, dann kann sich das auch umkehren.

3VIERTEL: Wie wurden Sie in Leipzig aufgenommen?

Pipa: Ich habe hier zunächst in einem Hostel gelebt, da ich ohne geregeltes Einkommen nicht geeignet für einen Mietvertrag war und für die WG’s entweder zu alt oder zu durchgeknallt. Bei diesen WG-Interviews fühlte ich mich teilweise unwohler als bei Vorstellungsgesprächen. Dann ist mir noch auf dem Westwerk-Gelände in meinen Bus eingebrochen worden und mein Equipment gestohlen. Da kamen mir die Erinnerungen an Irland wieder hoch, aber es war ein nicht zielgerichteter Einbruch ohne weitere Absichten.

3VIERTEL: Was möchten Sie in Leipzig bewirken?

Pipa: Ich möchte helfen einen festen Platz für Zirkus in Leipzig zu schaffen, dafür arbeiten, dass der Zirkus einen Ort und einen Raum bekommt. Dabei arbeite ich auch mit den Leuten von Zirkomania zusammen. Ich möchte einen Platz schaffen, wo nicht nur Kinder spielen dürfen.

3VIERTEL: Haben wir zu wenig Platz für das Spielen?

Pipa: In Deutschland bekommen die Kinder meist in der Schule das Spielen abtrainiert! Als meine Tochter, die ich in Irland bekommen habe zur Schule kam, habe ich den Unterschied zum Deutschen Schulsystem kennengelernt. Und ich bin froh, dass ich meine Tochter diesem nicht aussetzen musste.

3VIERTEL: Wo sehen Sie die Zukunft des Zirkus?

Pipa: Ich denke, Zirkus und Theater wird sich immer mehr vermischen. Immer mehr Theater greifen auf die Zirkuskünste zurück, so dass der Artist für sich eine höhere Wertigkeit bekommen wird. Die Comedia war eigentlich immer Grundlage des Zirkus und des Theater. Und es ist ähnlich wie 1920, in der Zeit der großen Rezession, als Burlesque und Varieté aufkam, was heute wieder eine große Popularität erfährt. Ähnlich wie heute, wir leben auch wieder in einer Rezession.
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