Komisches Fantasie-Instrument

Bild: Ildiko Sebestyen Photographie

Wie mit Apps musiziert wird.

Von Christin Pomplitz

Matthias Krebs ist frisch gebackener Vater der rund vier Monate alten App-Musik-Schule Leipzig in der Merseburger Straße 54. Der gebürtige Berliner arbeitet in seiner Heimatstadt an der Forschungsstelle „Appmusik-Formen musikalischer Praxis mit Apps“ der Universität der Künste Berlin. Dass mit der Anwendungssoftware für mobile Endgeräte schon so allerhand geleistet werden kann, ist bekannt. Und doch scheint das digitale Musizieren mittels dieser besonderen Art der Gebrauchsweise etwas Neuartiges mit sich zu bringen.

Die Idee einer solchen Musikschule entstand durch die Zusammenarbeit der Berliner Musiktheater-Gruppe Oper Dynamo West mit dem Leipziger LOFFT Theater. Aus dieser Verbindung erwächst seit Anfang 2014 das Musik-Theater-Projekt „Wunder Opus 5“. In vier Episoden soll bis zum Finale 2015 zusammen mit Anwohnern des Stadtteils Lindenau in nächster Umgebung Theater gesucht und gefunden werden. Architektur, Geschichte, Menschen und Musik in Lindenau sind die Grundbausteine der Inszenierung. Der Wandel des Viertels wird zusammen mit musikalisch begabten oder auch weniger begabten Anwohnern dokumentiert. Der erste Teil des Projekts, „Salon Chris“, startete bereits im Februar 2014.

Für das Projekt kam auch Matthias Krebs aus Berlin nach Leipzig und arbeitet seit circa neun Monaten mit freiwilligen Musikinteressierten an der musikalischen Gestaltung. Unabhängig vom Projekt „Wunder Opus 5“ soll die entstandene Idee einer App-Musik-Schule weiterbestehen und entwickelt werden. „Die App-Musik-Schule soll über diese verschiedenen Sachen des Theaters als eine kontinuierliche Verbindung hinauslaufen“ erklärt Krebs.

Aber wie macht man mit einer App Musik? Die fünf überwiegend weiblichen, 40- bis 60-jährigen TeilnehmerInnen sitzen um einen kleinen Tisch, viel Platz brauchen sie nicht. Jede ein iPad vor sich, gleiten sie geschmeidig und rhythmisch mit ihren Fingern über die Glasoberfläche. Aus dem Verstärker ertönt auf Anhieb ein erstaunlich harmonisches Zusammenspiel der Musikerinnen. Leiter Matthias Krebs muss nicht viel interagieren, er erklärt hier und da kurz, welche Eigenschaften die jeweilige App hat, aber das Spielen scheint von allein zu funktionieren.
„Ich habe eigentlich immer nur Fertigkeiten weitergegeben, wann etwas musikalisch oder weniger harmonisch klingt, und nie so wirklich erklärt, wie man ein Instrument spielt. Im Grunde haben sie sich das selbst beigebracht“ ergänzt Krebs.

“Es wird nicht mehr Gitarre gelernt, sondern man lernt Musik. Man lernt Musizieren. Nicht mit der Gitarre musizieren, mit dem Klavier oder einem Schlagzeug, sondern zu erkennen, was gebraucht wird. Und der Einzelne kann sich sein Instrument selbst zusammenbauen.“
Angst, dass das Instrument als solches aussterben könnte, hat der ausgebildete Opernsänger aber nicht:
„Wie eine Geige gespielt wird, wissen die Leute seit 300 Jahren und wenn ich gern Geige höre, ist es egal, was für tolle Samples ich programmiere - natürlich bleibt eine Geige eine Geige und wird immer viel besser klingen, wenn es eine richtige Geige ist. Aber eine Geige kann schlecht ein Schlagzeug oder ein Synthesizer sein.“

Insgesamt gibt es über 600 verschiedene Apps zum Musizieren, wie beispielsweise „Soundprism“ oder „Drums XD“ - von Apps, die lediglich eine Oberfläche haben und ein Instrument abspielen, bis hin zu kompletten Musikstudios auf einer Fläche von 9,7 Zoll.
„Das Besondere an den digitalen Geräten ist, dass man quasi nicht mehr Klavier lernt und Tasten drückt, sondern ein Metainstrument, quasi ein Überinstrument kennenlernt. Es kann alle Instrumente sein und ist nicht mehr abhängig von einer Mechanik, von Saiten usw. Und die Grenzen des Machbaren erweitern sich,“ findet Krebs.

Als Bestandteil des Theaterprojekts macht es sich auch die App-Musik-Schule zur Aufgabe, die Geschichten der Menschen Lindenaus musikalisch zu verbinden, eine Entwicklung des Viertels zu dokumentieren und den Stadtteil ein wenig musikalischer zu machen. Das Projekt und auch die App-Musik-Schule wollen die Menschen der Umgebung unmittelbar involvieren. Die Türen stehen damit allen interessierten und neugierigen Musikliebhabern offen, mitzumachen.


www.appmusik.de/ams-leipzig
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