Schrödingers Katze

Ein Gedankenexperiment macht Musik.

Von Susanne Elisabeth Lechner und Cesare Stercken

Kurz und prägnant sollte er sein: „huh“ ist der Titel des neuen Albums von Schrödingers Katze. Seit vierzehn Jahren spielt die Band unter diesem Namen, der sich auf einen Versuch des Physikers Erwin Schrödinger bezieht.
Mit seinem Gedankenexperiment, das in einem Paradoxon mündet, wollte Schrödinger 1935 die Unvollständigkeit der Quantenphysik demonstrieren.

Gefunden haben sich die fünf Musiker Daniel Dexter, Werner Kunschke, Susann Bähnisch, Jochen Gille und Jan Kohnert durch eine Kontaktanzeige: „Musiker suchen Band.“

Zu Beginn klangen sie rockig und roh. Punkige Einflüsse und eine Affinität für die jungen Beatles waren herauszuhören. Dann wurde das Klavier dominanter und die Lieder komplexer. „Vor zwei Jahren waren unsere Konzerte noch Sitzveranstaltungen, was mich aber nervte. Ich dachte, wir sind eine Rockband und dann haben wir versucht, es den Leuten auch einfacher zu machen, das Tanzbein zu schwingen“, beschreibt Dexter die Entwicklung der jüngeren Bandgeschichte.

Die „Multiinstrumentalisten“ vermischen alles zu einem explosiven Gebräu, das von der Band selbst als Psychedelic Pop mit Chanson-Einflüssen bezeichnet wird. Klare Strukturen und einen Mitgröl-Refrain findet man aber selten bei ihnen. Die Aufgaben in der Band rotieren. Die Musiker wechseln auf der Bühne die Instrumente. Dexter spielt bei Balladen Klavier, lässt aber auch gern die Gitarre erklingen. Meist schreibt der 34-Jährige auch die Texte. Bei Schreibblockaden helfen mal der Keyboarder oder der Bassist. Seinen ersten Song komponierte er im Alter von elf Jahren. „Der Ball ist rund“ hieß das Stück. Später, mit 14, folgten Songs wie „Holiday Love“. Heute ist er ein Geschichtenerzähler. In seinen Erzählungen geht es um maximale Komprimierung - wie bei einer Explosion. Verschiedene Stücke werden auseinander gesprengt und verwandeln sich zu etwas Neuem.

Zu viel Gefühl möchte er vermeiden. Früher habe die Band eine Menge „Quasi-Liebeslieder“ gespielt und ambivalente Gefühlslagen kamen dabei zum Ausdruck. Heute will Dexter lieber „eine Bilderwelt, mit der man jonglieren kann“ darstellen.

Das letzte Album wurde von der Band auf eigene Faust, soll heißen ohne Label, produziert. Ohne Label sind die Möglichkeiten professioneller Vermarktung leider gering. „Wir sind aber viel freier und können die Vorstellungen, wie die Musik klingen soll, ohne Kompromisse durchsetzen. Die Musik muss sich nicht verkaufen.“ Dexter will nicht wissen, an wen die Musik erinnert, in welche Schublade sie passen muss, auf welchen Zug man am besten aufspringt, um bestmöglich anzukommen. Und so ist der kommerzielle Erfolg der Band auch eher bescheiden. Daniel Dexter kann fast von seiner Musik leben, wobei Schrödingers Katze ein sicheres Minusgeschäft ist.

myspace.com/danieldexterschroedingerskatze
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