Ich möchte mein Leben bereichern

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Zur Finanzierung des Auslandsjahres von Vera Gutmann veranstaltet ihre Mutter Claudia Herold ein Benefizkonzert. Herold ist freischaffende Musikerin und in einer Pfarrersfamilie aufgewachsen. Als Kind war sie umgeben von Musik. Heute ist sie Cellistin im Tango-Orchester Leipzig und mit dem Duo TRUDE SKY aktiv. Zudem gibt es noch zwei Bands, in denen sie musiziert: Balinka und Rada Synergica.


Ein Interview mit Claudia Herold und Vera Gutmann. Von Lisa-Marie Ney und Cesare Stercken

3VIERTEL: Sie kamen ursprünglich nach Leipzig, um Theologie zu studieren. Wie haben Sie dann wieder zur Musik gefunden?

Claudia Herold: Ich wollte Musik eigentlich immer gerne zu meinem Beruf machen. Nachdem ich mein Studium abgebrochen habe, bin ich ein bisschen herumgereist und habe auf den Reisen meine Leidenschaft zur Musik wieder entdeckt. Ich war danach eine Zeit lang finanziell vom Staat abhängig und habe Ende der neunziger Jahre einen Existenzgründer-Kurs besucht, bei dem man mir geraten hat, Musik doch zu meinem Beruf zu machen. Das hat mir bezüglich meines Wunsches viel Mut gemacht und Zuversicht verliehen.

3VIERTEL: Sie sind leidenschaftliche Musikerin aber auch alleinerziehende Mutter zweier Kinder.

C. Herold: Ja, das stimmt. Vera und Julian. Vera ist die Ältere, sie ist sechzehn Jahre alt und Julian fünfzehn.

3VIERTEL: Auf welche Schule gehen Sie? Spielen Sie auch Musik?

Vera Gutmann: Ich gehe auf die Montessori-Schule, spiele Klavier und habe auch mal im Chor gesungen. Gerade mache ich eine Stimmausbildung und seit einem Jahr lerne ich lateinamerikanische Standardtänze.

3VIERTEL: Haben Sie schon einen Berufswunsch?

V. Gutmann: Ich würde gerne Darstellerin in Musicals werden. Da kann ich tanzen, singen und schauspielern. Aber die Wünsche haben sich auch schon des Öfteren geändert.

3VIERTEL: Wie läuft der Alltag bei Ihnen Zuhause ab, macht Ihr auch zusammen Musik?

V. Gutmann: Manchmal spielen wir bei einem Klavierkonzert von mir etwas zusammen. Da spielt sie Cello und ich Klavier, aber das ist eher selten.
C. Herold: Es ist so, dass die Kinder in dem Alter sowieso ständig unterwegs sind, zumindest meine. Dadurch, dass ich auch nachmittags immer unterwegs bin, sehen wir uns erst abends.

3VIERTEL: Sie sind alleinerziehend und klassischerweise leben ihre Kinder bei Ihnen. Wie kam es dazu und wie ist das Verhältnis zum Vater?

C. Herold: Wir haben uns getrennt, als Vera drei Jahre alt war. Es war schwierig, da ihr Vater ein sehr freiheitsliebender Mensch ist. Deswegen lief es nicht so ab, dass wir uns die Kinder aufgeteilt haben, sondern dass sie die ganze Zeit bei mir waren. Aber jetzt haben sie ein gutes Verhältnis zu ihm und sie sehen sich regelmäßig.

3VIERTEL: Was macht Ihr Vater?

V. Gutmann: Er ist Trommler und hat manchmal Auftritte bei einem Radiosender. Seit kurzem hat er auch eine eigene Trommelschule und noch andere verschiedene Projekte. Er spielt auch ab und zu im Panometer.

3VIERTEL: Da Sie keine Anstellung bei dem Gewandhausorchester oder MDR SINFONIEORCHESTER haben: Wie läuft Ihr Erwerbsleben als freischaffende Musikerin ab?

C. Herold: Tagsüber jobbe ich im Bioladen in Schleußig, nachmittags gebe ich Cellounterricht und abends manchmal Konzerte.

3VIERTEL: Musiker sind meist gefragt, wenn andere Feierabend haben. War der Spagat zwischen Familie und Beruf da nicht schwierig?

C. Herold: Wenn ich zurückblicke, dann war das schon ganz schön anstrengend, auch wenn ich das damals vielleicht nicht so empfunden habe. Wir haben die Kinder auch auf Festivals mitgeschleppt. Die Armen mussten immer mit. Ein gutes Netzwerk und Freunde haben mir dabei sehr geholfen. Wir hatten alle Kinder in ähnlichem Alter und haben uns gegenseitig unterstützt. Manchmal bin ich aber auch ausgeflippt. Es war eine aufregende Zeit für meine Kinder und mich, aber die haben ja keinen Schaden davon getragen, glaube ich.

3VIERTEL: Ihre Tochter will für ein Jahr ins Ausland. Waren Sie von dieser Idee begeistert?

C. Herold: Ich war von Anfang an von Veras Idee überzeugt und ich finde das passt zu ihr.

3VIERTEL: Was erhoffen Sie sich von dem Auslandsjahr?

V. Gutmann: Ich möchte die Erfahrungen, die ich dort mache, hier in mein Leben einbringen und mein Leben dadurch bereichern. Ich will mir auch einfach beweisen, dass ich das auch allein kann. Ich hoffe, dass ich eine tolle Gastfamilie bekomme, die mir Vieles zeigen kann. Das reizt mich gerade an den USA. Man kennt die ganzen tollen Geschichten aus den Highschool-Filmen und es ist sicher anders als hier. Außerdem kann ich dann auch sagen, dass ich das schon gesehen habe und schon da war.

3VIERTEL: Wie ist es Ihnen gelungen, das Teilstipendium zu bekommen?

V. Gutmann: Zunächst habe ich mir Organisationen angeschaut, die solche Stipendien vergeben. Ein Mädchen, das bei mir auf der Schule war, hatte gute Erfahrungen mit einer dieser Organisationen gemacht. Ich habe mich dann auch dort für ein Voll- und ein Teilstipendium beworben. In Bewerbungsgesprächen musste ich Teamgeist und Initiative beweisen, sonst war es eher ein Akt mit ganz vielen Formularen. Die Zusage für das Teilstipendium kam im Februar.

3VIERTEL: Teilstipendium bedeutet, dass nur die Hälfte des nötigen Betrages von der Organisation übernommen wird. Um sich den Rückflug leisten zu können, kamen Sie auf eine tolle Idee.

C. Herold: Ich habe erst mal viel rumgegrübelt. Ich wollte mir das Geld aber auch nicht irgendwie borgen oder schenken lassen. Und dann dachte ich mir: Mach doch das, was du kannst. Und das ist Musik. Dadurch kam ich auf die Idee mit dem Benefizkonzert. Natürlich brauchte es ziemlich lange, bis ich die Idee auch selbst akzeptiert hatte, denn es ist ja schon ziemlich egoistisch. So kommt es mir zumindest vor. Schließlich handelt es sich um eine private Angelegenheit. Und ob das funktioniert und ob das überhaupt erlaubt ist, ist eine andere Frage. Wenn man für einen Radiosender spendet, der geschlossen werden soll, oder für ein krankes Kind, dann ist das was anderes, als wenn ich meiner Tochter ihren Traum ermöglichen will.
Auf der anderen Seite dachte ich mir dann aber auch: Mensch, du hast viele Freunde, die auch Musiker sind und genauso von der Hand in den Mund leben. Wenn die dich um Hilfe bitten würden, dann würdest du die doch auch sofort unterstützen. Und so kam die Idee zustande.

3VIERTEL: Bei dem Projekt Ihrer Tochter den Schritt ins Ausland zu ermöglichen, erhielten sie viel Unterstützung von Freunden und Bekannten. Was erwartet uns am ersten Juni, der ja auch Kindertag ist?

C. Herold: Weil an diesem Tag auch Kindertag ist, wird ab 13 Uhr ein kleiner Flohmarkt mit Tombola und Zuckerwatte im Hof des Neuen Schauspiels veranstaltet werden, nachmittags ab halb vier spielt das Puppentheater Eckstein und halb acht geht das Konzert los. Es wird nicht nur Musik geben sondern auch Artistik. Auf den Besucher wartet ein sehr breit gefächertes Programm.

3VIERTEL: Es war bestimmt nicht einfach, so eine große Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Jetzt, wo es fast geschafft ist, was hat Ihnen bei der Planung am meisten Freude bereitet?

C. Herold: Es war einfach toll zu merken, dass ich so viele tolle Freunde habe, die mich unterstützt haben und dass ich mich auch auf sie verlassen kann. Es war einfach großartig zu sehen, wie man sich in der Szene, in der ich mich bewege, gegenseitig unterstützt. Das Maß an Hilfe fand ich schon erstaunlich. Schon allein weil man es in der freien Szene sonst auch ziemlich schwer hat. Das ist echt klasse!

Benefizgala im Neuen Schauspiel; Am 1. Juni; 13 Uhr Kinderflohmarkt, anschließend Puppentheater und ab 19:30 Uhr Konzert und Artistik.
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