Entwicklung mit Katalysator

Bild: Ildiko Sebestyen Photographie

Über die Stadtteilentwicklung im Leipziger Westen.

Ein Interview von Cesare Stercken mit Norbert Raschke, Sachgebietsleiter Stadterneuerung Leipziger Westen im ASW.

Nach der politischen Wende 1989/90 wurde viele Jahre lediglich in die Sicherung und den Erhalt der teils maroden bis schlecht gepflegten Bausubstanz investiert. 2004 wurde der „Konzeptionelle Stadtteilplan Leipzig West“ verabschiedet, der die Bewerbung der Stadt Leipzig für Europäische Mittel (EFRE) zur Stadtteilentwicklung darstellte. Darin waren Pläne des Rückbaus und der Behebung städtebaulicher Mängel enthalten, die den soziodemografischen Problemlagen entgegenwirken sollten. Sprich: Eine Investitionsanschubfinanzierung zur Belebung und Verjüngung der Stadtteile.

Allem Anschein nach sind davon einige Entwicklungen recht weit gediegen. Der Leerstand ist gering, die Zuzugsquote extrem hoch, das Durchschnittsalter hat sich teilweise fast halbiert. Menschen aus dem Rest der Republik beziehen hier frisch sanierten Wohnraum, die ersten Künstler wollen schon wieder weg und die Geschäftsstraßen sind tags wie nachts gut besucht.

Zu den aktuellen Entwicklungen in der Weststadt haben wir Norbert Raschke, Sachgebietsleiter das Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) im Leipziger Westen interviewt.

3VIERTEL: Wie bewerten Sie das vergangene Jahr 2013 für die Stadtteilentwicklung im Leipziger Westen?

Norbert Raschke: Aus unserer Sicht als recht erfolgreich. Der Abschluss der Umgestaltung der Josephstraße mit dem neuen Buchkindergarten wurde gefeiert, der erste Bauabschnitt der Demmeringstraße wurde planmäßig fertiggestellt und kurz vor Weihnachten konnte der Auftaktbereich des GleisGrünZugs Plagwitzer Bahnhof eingeweiht werden. Darüber hinaus erhielten über 20 Projekte von privaten Stadtteilakteuren Zuschüsse aus dem Verfügungsfonds. Nicht zuletzt haben wir einen Quartiersrat aus zirka 30 Stadtteilakteuren aufgebaut, der Förderanträge diskutiert, bewertet und mitentscheidet.

3VIERTEL: Wer sind die Menschen, die die Anträge bearbeiten und den Fördermittelantragstellern helfend und beratend zur Seite stehen?

Norbert Raschke: In erster Linie sind das die Kolleginnen und Kollegen vom Stadtumbaumanagement Leipziger Westen, vor Ort zu erreichen im Stadtteilladen in der Karl-Heine-Straße 54.

3VIERTEL: Wäre diese Entwicklung, die wir seit fünf Jahren im Bereich Karl-Heine-Straße und Umfeld beobachten können, ohne Fördermittel zu erwarten gewesen?

Norbert Raschke: In dieser kurzen Zeitspanne sicherlich nicht. Hier konnten die Förderzuschüsse wirklich als Katalysatoren wirken, indem sie Investitionsentscheidungen beschleunigt und in den Stadtteil gelenkt haben.

3VIERTEL: Was sind für Sie die Kriterien einer erfolgreichen Förderpolitik für Stadtteilentwicklung?

Norbert Raschke: Man muss versuchen, einen integrierten Ansatz zu verfolgen. Das bedeutet einerseits, Stadtteilentwicklung gemeinsam mit den Akteuren vor Ort zu betreiben und andererseits, bei der Verbesserung der städtebaulichen Situation möglichst alle Bereiche, neben den Gebäude- und Infrastrukturmaßnahmen auch die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Funktionen und Strukturen des Stadtteils im Blick zu haben.

3VIERTEL: Mit welcher Kritik sehen Sie sich, vielleicht auch teilweise zu Unrecht, konfrontiert? Und welche Kritik haben Sie eventuell selbst?

Norbert Raschke: Ich erachte es als völlig normal, dass Entscheidungen der Stadtverwaltung und damit auch des ASW kritisch von den Stadtteilakteuren kommentiert und begleitet werden. Es geht schließlich immer auch um den Einsatz öffentlicher Gelder. Ärgern tue ich mich nur dann, wenn die Kritik unsachlich ist und der Kritiker nicht aus der Deckung kommt. Dies passiert aber eher selten.

3VIERTEL: Was sind die nächsten Ziele der Förderpolitik im Leipziger Westen, die Sie erreichen wollen?

Norbert Raschke: Die begonnenen Großprojekte, wie den Wohnbaustandort Lindenauer Hafen und den GleisGrünZug Bahnhof Plagwitz fertigstellen, den Schulstandort auf dem Jahrtausendfeld realisieren und noch einige Anliegerstraßen in den Sanierungsgebieten erneuern. Diese Vorhaben sehen wir als wichtigen Beitrag, die Sanierungs- und Entwicklungserfolge im Stadtteil zu verstetigen.

3VIERTEL: Was wird in Zukunft noch gefördert werden?

Norbert Raschke: Außer den zuvor genannten Projekten sehen wir weiterhin Bedarf für die kleinen Unternehmen, für die Arbeitssuchenden, für Kinder und Jugendliche und für die Senioren im Stadtteil. In Anbetracht der gegenwärtigen Preisentwicklung auf dem Wohnungsmarkt werden wir auch weiterhin alternative und kostengünstige Wohnprojekte unterstützen.

3VIERTEL: Welche alternativen und kostengünstigen Wohnprojekte sind bereits unterstützt worden bzw. wollen Sie unterstützen?

Norbert Raschke: Unterstützt hatten wir bislang zum Beispiel das Projekt „Kunterbunte 19“ in der Georg-Schwarz-Straße 19.

3VIERTEL: Wie bewerten Sie die Entwicklung in der Georg-Schwarz-Straße, die ja immer noch eher kleine Schritte in Richtung Belebung und Revitalisierung macht?

Norbert Raschke: Ich sehe die Entwicklung durchaus vergleichbar zur Karl-Heine-Straße. In den letzten drei Jahren sind zahlreiche Gebäude, besonders im Lindenauer Abschnitt, mit Unterstützung von Städtebaufördermitteln modernisiert worden. Neue Geschäfte und neue Bewohner haben sich angesiedelt und machen die Straße bunter und lebendiger. Die Fertigstellung des Brunnenviertels in den nächsten Jahren wird diese Entwicklung stabilisieren und auch in den Leutzscher Abschnitt der Straße hineintragen.

3VIERTEL: Was sollte in diesem Jahr noch besser laufen als bisher? Was wünschen Sie sich für die Stadtteilentwicklung?

Norbert Raschke: Dass die Beratungs- und Beteiligungsangebote unseres Stadtteilladens in der Karl-Heine-Straße 54 noch mehr wahrgenommen und genutzt werden. Herausstellen möchte ich hier insbesondere den Jobpoint und den Unternehmerstammtisch.

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