Mit Hingabe zum Holz

Bild: Ildiko Sebestyen Photographie

Im Atelier „DeBrugger“ entstehen aus Furnierresten einzigartige Materialien. Von Laura Bierau

In dem kleinen Hinterhaus in der Henricistraße 14 geht es vor allem um eines: Holz. Einst befand sich hier eine Tischlerwerkstatt, die haufenweise alte Furnierholzplatten hinterließ. Dann trafen dort zufällig die zwei Wahlleipziger Daniel Brugger und Sebastian Debold aufeinander und entdeckten ihr gemeinsames Interesse am Experimentieren mit dem vorgefundenen Werkstoff. Es kam zur Gründung von „DeBrugger“, das sich als Atelier für kreative Lösungen rund um's alte Holz versteht. Der aus Thüringen stammende Daniel Brugger ist gelernter Orgelbauer, entschied sich aber für eine freiberufliche Tätigkeit als Holzdesigner für Ohrschmuck. Der Stralsunder Sebastian Debold studierte Freie Kunst an der HBK Braunschweig bei Prof. Bogomir Ecker. Für seine Werke bediente er sich bislang eher des Styropors, zum Beispiel für die monumentale Skulptur namens „plötzlich ändert sich selten“, die er 2009 auf dem Teich im Clara-Zetkin-Park installierte.

Mit ihrer kooperativen Verbindung aus Handwerk und Kunst wollten die beiden aber mehr kreieren, als nutzungsorientiertes Holz-Upcycling: „Die Idee für Möbel war nicht vordergründig, die Reste eigneten sich ohnehin nicht für eine solche Verarbeitung. Uns ging es um die Entwicklung eines ganz neuen Materials, das es so noch nicht gibt“, sagt Debold.

Dieses Material sollte in ihrer Vision aus verschiedenen Holzresten zu einem neuen, massiven und optisch einzigartigen Stück zusammengefügt werden. In mühevoller Handarbeit setzten die beiden dafür über 13.000 einzelne, 1x1 cm große Holzpixel zu mosaikartigen Bildern aneinander. Die Motive, wie ein Madonnengesicht, ein Falke oder abstrakte Muster, verdanken ihre Tönung den originalen Farben unterschiedlicher Holzarten. In anderen Experimenten wurden tausende Furnierstreifen zu einer massiven Einheit verleimt, die mit ihren Strukturen an Op-Art (Kunstrichtung aus den Sechziger Jahren) erinnern. Jedes Stück kann farblich, nach Motiv und Holzstrukturen individuell gestaltet werden und ist ein Unikat.

„Da steckt Liebe dahinter“

Debold betont, wie aufwändig sich diese Arbeit über zwei Jahre hinweg gestaltete, wieviele Versuche, Fehlschläge und technische Verbesserungen nötig waren, um zum Ziel zu gelangen. Eine Presse, die mit 60 bis 70 Tonnen Gewicht die Teile verdichtete, wurde mithilfe eines befreundeten Stahlbauers erst entwickelt, erklärt Brugger. Stolz zeigen die Kreatoren von „DeBrugger“ nun ihre fertigen Ergebnisse, die sie auf die klangvollen Namen „Musivi“, „Libra“ und „Flexus“ tauften.

Es ist schwer, diese so entstandenen, bis zu mehreren Quadratmeter großen Platten zwischen Kunst und Design einzuordnen. Weder geht es nur um eine für sich stehende künstlerische Position, um eine reine Zweckorientierung in der Verwendung oder bloß um eine technische Raffinesse. „Man kann damit eigentlich alles mögliche machen: sie kann als Raumteiler oder Dekorelement im Innenbereich genutzt werden, als Fußbodengestaltung oder man kann sie einfach an die Wand hängen“, sinniert Sebastian Debold.

Um die Vorstellungen Interessierter anzuregen, planen die beiden demnächst einen Prototyp zu bauen, was genau, wollen sie vorab jedoch noch nicht verraten. Beide glauben daran, dass ihre Holzplatten Liebhaber finden werden, die ihre besonderen Eigenarten zu schätzen wissen. Daniel Brugger resümiert: „Es war alles eine große Herausforderung, ohne zu wissen, ob wir Erfolg haben oder wie die Resonanz sein würde. Ich liebe diese Sachen einfach, da steckt wirklich Liebe dahinter!“

www.debrugger.com
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